GOTTES WORT ... durch Bertha Dudde. Für die gegenwärtige Zeit sind aus christlicher Sicht die Offenbarungen durch Bertha Dudde hochaktuell. Zeitgeist und Weltgeschehen bestätigen fast täglich die Erfüllung dieser Prophezeiungen. http://www.bertha-dudde.info/index.php - Jakob LORBER - Schreibknecht Gottes > http://jakob-lorber.cc/index.php?s=&l=de&b=
Johannes Tauler Predigt 84
Anleitung zur Lektüre mystischer Schriften
GEGENSTAND OHNE ÜBERSCHRIFT und Thema, wird ein Büchlein genannt, das von vier gar sorgenvollen, genau bestimmten Versuchungen spricht und davon, mit welchen Übungen man ihnen zuvorkommen und sie überwinden könne.
Dies hier ist eine nützliche und notwendige, liebevolle Rede für alle deutschen Bücher, die sich an die Vernunft wenden, mit fein unterscheidenden Gedanken zu einem innerlichen, entsagenden, abgeschiedenen geistlichen Lebel1. Im Namen der ewigen Weisheit unseres Herrn Jesus Christus sollen alle, die dieses Büchlein lesen oder anhören, wissen: daß, wenn die hier folgende Lehre ganze, lautere, schlichte Wahrheit ist, sie dennoch all denen sorgenvoll zu lesen ist, die ihr eigenes Selbst nicht freien Willens gänzlich verleugnen und gelassen haben, jetzt und in Zukunft in abtötender Übung ihres Fleisches und Blutes, ihrer Sinne und der Werke ihrer Vernunft, wozu sie nämlich von Gott und seinen vertrauten Freunden gemahnt und getrieben werden.
Jetzt herrschen vier schwere Versuchungen in der Welt.
Die erste besteht darin, daß man nach außen lebt nach der natürlichen Verständigkeit der Seele, in Unachtsamkeit alles inneren geistlichen Ernstes und in (geistlicher) Dürftigkeit und nicht daran denkt, Gott zu leben mit großer innerer Liebe ohne Unterlaß, wirksam und gegenwärtig, an ihm allein zu hangen in lauterem, schlichtem Verlangen und mit lustvoller, wirklicher Hinneigung zu seinem allerliebsten Willen und darin zu bleiben im Haben oder Darben leiblicher und geistlicher Dinge.
Die zweite Versuchung besteht in inneren und äußeren Offenbarungen und Erleuchtungen, Gestalten, Ansprachen, Gesichten in fremder, ungewöhnlicher Weise; und wenn auch Gott seinen Freunden zuweilen einen Teil Wahrheit offenbart, so soll man doch diese Art nicht schnell glauben und ihr trauen, denn der Mensch, der davon viel halten wollte, hat wenig geistlichen Nutzen davon, aber weit mehr mannigfachen großen geistlichen und auch leiblichen Schaden.
Die dritte Versuchung ist ein Prunken mit vernunftgemäßer Wahrheit, die mit aller Unterscheidung ausgesprochen wird, aber zusammen mit der inneren Arbeit der Vernunft anzusehen ist, unter Anreizung und Lockung der großen Lust an dem natürlichen Licht, wobei man sich das Wohlgefallen an sich selbst nicht eingesteht; hierzu sind alle Menschen von Natur geneigt; diese Versuchung ist viel sorgenvoller bei einem Menschen ohne Selbstverleugnung, denn sie erzeugt geistliche Hoffart, ein verblendetes Leben und große Irrungen in geistlicher Form.
Die vierte Versuchung ist eine innere, nichtige, blinde Muße ohne wirkende Liebe und ohne Verlangen; sie besteht darin, daß man sich leiblich niedersetzt, in einem schädlichen Niederbeugen auf sich selber, in einem Entschlafen oder Entsinken in sich selbst; dies widerfährt einem beginnenden, einem jungen oder einem nicht beharrlichen Menschen; diese Menschen nämlich wollen sich dieser Übung mit Übertreibung zuwenden, halten zuviel davon und wollen sich allzeit ihr überlassen, als ob es der Friede und die Gabe Gottes wäre; hierbei werden sie aber gar schwer getäuscht, denn ihre eigene Natur und der böse Feind gibt ihnen diesen Rat und verleitet sie in sorgenvoller Weise.
Der Mensch aber, der diesen Anfechtungen entfliehen und Gott ehrlich und sich selber nützlich nach dieser hier niedergeschriebenen Lehre leben will, der soll sich mit geordnetem Ernste nach außen und innen üben, ohne allen Eigenwillen auf keiner Weise der Übung zu beharren, und emsig und in verständiger Weise auf Gottes Wirken in sich achten. Und die Weisen und Dinge, die ihn außen und innen am meisten zu guten Werken und zur Gottesliebe verlocken, die soll er nicht so bald verlassen, bis daß sie selber von ihm abfallen, es sei, daß ihm etwas Höheres gezeigt und 'bekannt würde,
Doch die Zeit, in welcher der Mensch noch nicht vierzig Jahre alt ist, soll er nicht, weder nach innen noch außen, zuviel dem Frieden, dem Verzicht oder auch der Herrschaft (über sich selbst) vertrauen: denn all das ist noch gar sehr mit der Natur vermischt; und er soll mehr trauen und sich verlassen auf die tätige Liebe, innen und außen, und auch alle Entbehrung wirkender Liebe und innerer Ruhe hinnehmen und sich darin selber gedulden in sanftmütiger Demut.
Wenn Gott es fügt oder der Mensch die Übung der Liebe nach seinem Vermögen ernstlich gesucht hat, so kann er um so sicherer sich gedulden und kann entbehren. Und daß alle Menschen sich nicht so bald auf den geistlichen Frieden und Besitz verlassen und ihm trauen sollen, das bestätigt Sankt Gregorius, . wo er sagt, daß die Priester des Alten Bundes erst im Alter von fünfzig Jahren Hüter des Tempels wurden, daß sie aber, solange sie im Alter darunter waren, nur Träger des Tempels waren und mit Übungen beschäftigt wurden,
Aber von welchem Alter der Mensch auch sei, der seinen inneren Grund voll .Ernst übt, mit schlichter, lauterer, göttlicher Gesinnung in geordneter, demütiger, anhaltender Furcht, so empfängt er unaussprechlichen, unbekannten Reichtum in göttlicher Vereinigung, wenn ihm der innere Grund zuweilen entsinkt in genießender Liebe und innerem Frieden, ruhend in Verlorenheit und Vergessenheit seines eigenen Selbst. Und für diese Art und aller äußeren Tugend Ordnung soll aller Reichtum der Vernunft, die ein Mensch besitzt, ein dienender Knecht sein. Die vertraute Gemeinschaft mit Gott soll der Vernunft unbekannt bleiben. Dazu sagte Dionysius: "Laßt alles sinnenhafte und vernünftige Tun, und erhebt euch ohne (die) Erkenntnis (durch die Vernunft) zu der Einung mit Gott, die da über alle Vernunft ist."
Wer sich so in Ordnung innerlich übte, dem wird oft das innere Gezelt ohne Hilfe der Erkenntnis gezeigt, in dem die göttliche Einheit wohnt und ruht, genießend und göttlich schauend. Solchem Erlebnis ist bei keinem Menschen vor seinem fünfzigsten Lebensjahre zu trauen.
Wer nun diese zuvor und hernach geschriebene Lehre verstehen und Gott ehrlich und für sich selbst nützlich leben will, soll sich mit innigem Ernst und demütiger Übung und in Gebeten innerlich zu Gott kehren und bitten, daß ihm die Wahrheiten dieser Belehrung bekannt werden[1], im liebsten Willen Gottes nach seiner Notdurft.
Dazu helfe uns die ewige Weisheit, unser lieber Herr Jesus Christus.
AM E N.
[1] Erläuternde Umschreibung nach Corin, Sermons I, 162 zu Vetter 424,3 .
http://www.scribd.com/doc/30158716/Tauler-Predigt-84
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